Menschen berichten von ihren Erfahrungen

Erfahrungsbericht 1

Elvira G., 68 Jahre, wohnt in der Nähe von Dresden und ist mittlerweile in Rente. Sie hat im Rahmen einer Studie deutlich abgenommen und konnte einige gute Ess- und Bewegungsgewohnheiten auch über die Studie hinaus beibehalten.

Hier berichtet sie, wie es ihr ergangen ist.

Die Ausgangslage 2015: 78,7 Kilogramm bei einer Größe von 1,61

Das ist schon sehr lange her, das kann ich gar nicht mehr richtig sagen.

Meine Füße haben unter meinem Gewicht gelitten. Und ich habe mir gewünscht, möglichst lange fit zu bleiben. Außerdem hat meine Mutter Diabetes, ich spritze ihr regelmäßig Insulin. Es wäre schon besser, ohne Insulinspritzen durchs Leben zu kommen. Ich könnte es schon managen, in meinem ersten Beruf war ich Krankenschwester; aber wenn ich es vermeiden kann, ist es natürlich besser. Naja, und mein Nüchternblutzucker war schon etwas erhöht.

 

Ich habe 2015 bis 2018 an einer Studie teilgenommen, in der es um Diabetes-Vorbeugung durch eine Lebensstiländerung ging. Zu Beginn wog ich 78,7 Kilogramm bei einer Größe von 1,61. In der Studie hatte ich viele Termine bei einer Ernährungsberaterin. Ich sollte mich gesünder ernähren und genau aufschreiben, was ich esse. Das hat die Ernährungsberaterin dann kontrolliert.

 

Naja, vorher dachte ich eigentlich, ich ernähre mich schon recht gesund. Aber sie hat immer etwas gefunden, was ich nicht ganz richtig gemacht habe – vor allem habe ich zu viele tierische Fette, zu wenige Ballaststoffe und zu viel Zucker gegessen. Also zum Beispiel ein Stück Kuchen nachmittags zum Kaffee, Brötchen aus Weißmehl mit Marmelade und Butter. Vor der Studie habe ich bei den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln immer nur auf den Zuckergehalt geachtet, jetzt achte ich auch auf den Anteil an gesättigten Fettsäuren.

 

Als ich mich sehr genau daran gehalten habe, was die Ernährungsberaterin gesagt hat, habe ich recht schnell Gewicht verloren. Ich habe angefangen, mehr Vollkorn zu essen, den Butter durch Tomatenmark ersetzt, meine Mahlzeiten abgewogen und protokolliert. Nach etwa einem Jahr habe ich nur noch 65 Kilogramm gewogen. Aber dafür sollte ich jede Mahlzeit genau abwiegen, damit habe ich mich auf Dauer nicht wohlgefühlt.

Nach der Studie habe ich wieder etwas zugenommen, weil ich mich nicht mehr ganz so akribisch an alles halte und mir auch die Kontrolle von außen fehlt. Dass sich die Ernährungsberaterin immer so gefreut hat, wenn ich ein bisschen abgenommen habe, hat mich vorher schon sehr motiviert.

Jetzt zeigt meine Waage 70 Kilogramm an, und das ist auch mein festes Ziel: Nie wieder über 70 Kilogramm zu kommen.

 

Einige Tipps der Ernährungsberaterin habe ich beibehalten. Ich kaufe seitdem meistens Vollkornbrot und esse morgens selbstgemachtes Müsli mit Haferflocken, Weizenkleie, Leinsamen, Joghurt und Pfirsich oder Beeren. Nur sonntags gönne ich mir zum Frühstück Brot oder Brötchen mit Butter und Marmelade. Außerdem bewege ich mich viel.

 

Bewegt habe ich mich schon immer viel. Ich gehe jede Woche meist 1 Stunde lang schwimmen und 1-mal zum Reha-Sport. Alle 14 Tage habe ich noch eine andere Gymnastikgruppe. Besonders im Sommer arbeite ich auch viel im Garten. Außerdem ist unsere Wohnung recht groß, da kommen auch schnell einige Schritte zusammen. Da ich kein Auto habe und in einem kleinen Ort wohne, erledige ich fast alles zu Fuß.

In der Studie habe ich mich vielleicht noch etwas mehr bewegt, da hatte ich einen Kilometerzähler. Und wenn der abends dann doch einmal weniger angezeigt hat als mein Tages-Soll, habe ich öfters mal noch einen Abendspaziergang um den Block gemacht.

 

Es fällt mir schwer, nachmittags auf Kuchen zu verzichten, oder abends nicht noch zu Süßigkeiten oder Nüssen zu greifen. Aber ich weiß inzwischen, dass es gerade abends schlecht ist, noch viele Kalorien zu essen, weil man sie ja nicht mehr verbrennt an diesem Tag. So schaffe ich es oft, den Abendsnack doch wegzulassen.

 

Besuchen Sie eine Ernährungsberatung, das ist wirklich sehr aufschlussreich. Und wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner mitmacht, ist es sicher viel leichter.

 

Erfahrungsbericht 2

Anne Wagner* ist 23 Jahre alt und Studentin. Früher hatte sie Übergewicht und bewegte sich kaum. Nach der Schule hat sie angefangen, Sport zu treiben. Als sie immer fitter wurde, hat sie das auch motiviert, ihre Ernährung umzustellen. So hat sie insgesamt 30 Kilogramm abgenommen.

Für diabinfo.de berichtet sie, wie ihr das gelungen ist.

Ich war schon immer relativ stämmig, also nie so ein richtig schlankes Kind. Mit 17 war ich am schwersten, da wog ich 93 Kilogramm bei einer Größe von 1,67 Metern. Das hat sich eigentlich erst geändert, als ich mit Sport angefangen habe.

Ich habe nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und in der Krankenpflege auf einer Krebsstation im Krankenhaus gearbeitet. Ich musste immer wieder Patientinnen und Patienten unterstützen, um aus dem Bett in einen Stuhl zu kommen oder ein paar Schritte zu gehen. Da braucht man ganz schön viel Kraft. Um bettlägerige Menschen in die Seitenlage zu bringen, braucht man auch gute Rückenmuskeln.

Ich wollte besser mit den Patientinnen und Patienten arbeiten können und habe mich deshalb für einen Pilateskurs angemeldet. Davor habe ich neben dem Pflichtsport in der Schule nie Sport gemacht.

Am Anfang hat es sehr geholfen, dass eine Freundin gemeinsam mit mir den Kurs begonnen hat. Danach haben mich die Effekte motiviert. Pilates stabilisiert den Rücken einfach super. Das war ein sehr guter Sport für mich zum Einsteigen. Ich brauchte keine besondere Kondition, sondern konnte einfach ein bisschen Muskeln aufbauen. Die Pilates-Lehrerin war klasse, dadurch bin ich gerne hingegangen.

Dass ich die ersten Pfunde verloren habe – was ja anfangs gar nicht mein Ziel war. Ich habe gemerkt, das macht ja etwas mit mir, ich werde fitter und schlanker. Ich habe immer mehr Komplimente bekommen, habe mich immer besser gefühlt. Da hat es mich dann gepackt und ich habe angefangen, mehr zu machen. Das war wie ein positiver Strudel. Ich habe immer mehr Leute im Fitnessstudio kennengelernt, mit denen ich dann wieder andere Kurse besucht habe. Intervalltraining, Spinning, Laufen. Ich habe mich mit den anderen auch verabredet, um mit Hanteln und Gewichten frei zu trainieren.

Nein, ich habe durch den Sport auch mehr und mehr auf meine Ernährung geachtet. Zuerst vor allem auf die Menge. Früher habe ich oft gar nicht gewusst, wie viel ich tagsüber gegessen hatte und habe einfach immer gegessen, wenn ich Lust dazu hatte. Außerdem hatte ich einen Freund, der als absoluter „Spargeltarzan“ essen konnte, was er wollte. Wenn er abends um 23 oder 24 Uhr Lust auf Fast Food hatte, dann bin ich eben mitgekommen und habe auch einen Burger bestellt.

Der 1. Schritt war dann, abends nicht mehr unbedingt die Tüte Chips oder das Stück Brot zu essen, wenn ich eigentlich gar nicht hungrig war, und mich auf 3 Mahlzeiten zu beschränken.

Ja, ich habe auch ein großes Interesse für gesundes Essen entwickelt. Früher habe ich fast kein Gemüse gegessen, dafür viele Nudeln. Ich habe mich dann informiert, was gesund ist, habe nach Rezepten gestöbert und angefangen, viel Gemüse zu kochen. So habe ich immer mehr Lebensmittel kennengelernt, die ich vorher gar nicht richtig kannte.

Ich glaube, Zucchini, Paprika und Tomate. Dann habe ich mich an für mich „ausgefallenere“ Sorten gewagt wie Aubergine und Broccoli. Heute mag ich fast jedes Gemüse. Nur mit Rosenkohl kann man mich immer noch jagen.

Ich mochte schon immer alles Süße, wie meine Mutter. Wir haben immer gesagt, ich kann meinen Kaffee nicht trocken trinken: Ich brauche einen Keks oder ein Stück Kuchen zum Kaffee. Eine ganze Zeit lang habe ich versucht, mir das abzutrainieren. Es ist mir aber so schwergefallen, dass ich irgendwann gesagt habe, gut, dann akzeptiere ich das jetzt einfach. Ich habe mir Vollkornkekse gekauft und davon einen zum Kaffee gegessen. So konnte ich auf halbwegs gesunde Weise meinen inneren Schweinehund füttern.

Heute wiege ich 55 Kilogramm, das ist mein absolutes Wohlfühlgewicht – und ich halte es jetzt auch schon seit 3 Jahren.

Mit einer Kombination aus Sport und Ernährung. Sport ist inzwischen so ein fester Teil in meinem Leben geworden, dass ich mich richtig schlecht fühle, wenn ich mich mal 2 Wochen nicht bewegt habe. Ich spüre dann einen großen Drang, rauszugehen und mich mal wieder auszupowern. Ich mache meistens 2-mal die Woche Power-Yoga und gehe 2-mal laufen. Meine Ernährung würde ich als bewusst beschreiben. Ich esse eigentlich alles, verzichte auf nichts. Ich bin kein Fan von bestimmten Diäten, weil ich mir denke, wenn ich auf etwas verzichte, kommt irgendwann der Moment, in dem ich es richtig gerne haben will, und dann übertreibe ich es. Deshalb sage ich mir: von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Ich esse nach wie vor viel Gemüse und auch Nudeln und Reis. Ich versuche, aus allen Nährstoffgruppen etwas mitzunehmen.

Mir hat es sehr geholfen, dass ich mit einer Freundin zusammen angefangen habe und wir uns gegenseitig anspornen konnten, bis die ersten Erfolgserlebnisse kamen. Auch jetzt hilft es mir sehr, dass mein Freund gemeinsam mit mir trainiert und wir oft zusammen kochen. So bleibt man auch dran, wenn man sich doch schwer aufraffen kann. Und man sollte sich von der Außenwelt nicht sagen lassen, du musst laufen gehen, um abzunehmen, wenn man merkt, Laufen gefällt einem nicht. Stattdessen sollte man verschiedene Sportarten ausprobieren. Für mich war Pilates ein guter Weg. Ich glaube, es gibt für jeden einen Sport, der einem Spaß macht, man hat ihn nur vielleicht noch nicht gefunden.

Danksagung:

Die Interviews wurden mit diabinfo.de geführt und die Gesprächspartnerinnen haben der Veröffentlichung zugestimmt. Hiermit bedankt sich diabinfo.de herzlich für die Zusammenarbeit.

Die Berichte schildern Ausschnitte aus den jeweiligen persönlichen Erfahrungen mit einer Gewichtsreduktion. Es handelt sich nicht um Empfehlungen von diabinfo.de.

*Der Name wurde von der Redaktion geändert, da die Gesprächspartnerin um komplette Anonymität gebeten hat.