Ta­bak und Dia­be­tes

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Martin Füchtenbusch

Was haben Zigaretten mit Diabetes zu tun? Sie gehören zu den weniger bekannten – aber einflussreichen – Risikofaktoren, die die Zuckerkrankheit fördern können.

Dass Menschen, die rauchen, häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken als andere, ist mittlerweile durch mehrere große Studien gut belegt. Woran dies genau liegt, ist noch nicht vollständig geklärt, erste Spuren haben Forschende aber bereits.

Zum einen beeinflusst das Nikotin im Tabak wohl den Blutzuckerspiegel gleich durch mehrere Hebel. Personen, die rauchen, zeigen in Untersuchungen einen höheren Blutzuckerspiegel als andere. Wenn dauerhaft zu viel Zucker im Blut ist, fördert dies langfristig die Entstehung von Typ-2-Diabetes.

Mehr Informationen zur Entstehung von Typ-2-Diabetes finden Sie in unserem Portal Leben mit Diabetes!

Die Insulin-Ausschüttung scheint bei Raucherinnen und Rauchern verändert zu sein. Das körpereigene Hormon Insulin ist wichtig, damit der Blutzuckerspiegel nicht unkontrolliert steigt. Es sorgt als eine Art Türöffner dafür, dass der Zucker, der nach einer Mahlzeit ins Blut gelangt, auch in die Zellen kommt, die ihn brauchen.

Nikotin scheint die Produktion dieses wichtigen Stoffes zu bremsen. Und zwar, indem es die Arbeit der „Insulin-Fabriken“ in der Bauchspeicheldrüse hemmt, der sogenannten Betazellen. 

Im Blut von Raucherinnen und Rauchern wurden darüber hinaus erhöhte Werte des Giftstoffes Arsen entdeckt. Diese könnten ebenfalls zu einem höheren Blutzuckerspiegel beitragen.

Falsches Fett im Körper

Ein anderer Grund, warum Rauchen das Diabetes-Risiko erhöht, überrascht auf den ersten Blick: Körperfett. Zwar sind Raucherinnen und Raucher oft relativ schlank – doch das Fett, das sie in sich tragen, ist häufig besonders schädlich. Denn Fett ist nicht gleich Fett: Es gibt Körperfett, das eher harmlos ist: das sogenannte Unterhautfettgewebe. Und es gibt solches, das die inneren Organe wie Leber, Nieren und Darm umschließt. Nimmt Letzteres überhand, sondert es einen problematischen Mix aus Botenstoffen und Fettsäuren ins Blut ab und erhöht so das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Besonders ungesund ist Fett, das sich innerhalb von Organen ablagert, wie etwa bei der Fettleber. Denn dieses Fett hemmt die Arbeit der Leber. Dann kann die Leber ihre wichtigen Aufgaben für den Blutzuckerspiegel nicht mehr richtig erledigen. Rauchen wiederum kann die Entstehung einer nicht-alkoholischen Fettleber fördern.

Wie stark Rauchen das Diabetes-Risiko erhöht, hängt davon ab, wie viele Zigaretten pro Tag geraucht werden, und über welchen Zeitraum. Deshalb variieren auch die Zahlen in Studien. Manche Schätzungen gehen von einem 30 bis 40 Prozent höheren Risiko aus. Andere schätzen, dass Rauchen das Risiko verdoppelt. Das heißt, dass unter gleichen Bedingungen von 1.000 Nichtraucherinnen und Nichtrauchern etwa 100 Personen in ihrem Leben irgendwann Typ-2-Diabetes bekämen. Von 1.000 Raucherinnen und Rauchern würden hingegen nach der einen Schätzung 130 bis 140 daran erkranken, nach der anderen 200.

Rauchen in der Schwangerschaft erhöht – neben diversen anderen Risiken – auch die Wahrscheinlichkeit für werdende Mütter, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln. Für das ungeborene Kind steigt das Risiko, im späteren Leben einen Diabetes zu bekommen.

Das Gleiche gilt für Kinder, die Passivrauch ausgesetzt sind. Dies haben sogenannte Kohortenstudien gezeigt, also Studien, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine zufällig ausgewählte Gruppe von Personen über einen längeren Zeitraum begleiten und regelmäßig untersuchen.

Langzeitstudien zu E-Zigaretten und anderen Verdampfern auf das Diabetes-Risiko gibt es noch nicht, da diese noch nicht so lange auf dem Markt sind.

Allerdings enthalten diese Produkte genauso wie herkömmliche Zigaretten Nikotin, das wiederum nachweislich Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat.

Was tun?

Nikotin ist eines der stärksten Suchtmittel, daher fällt ein Rauchstopp vielen schwer. Es hilft, sich klar zu machen, wie viel der Zigaretten-Verzicht bringt:

  • Man erhöht die eigene Chance, deutlich länger gesund zu leben und fitter zu werden.
  • Man senkt das Risiko für Lungenkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes und tut etwas für Haut und Zähne.
  • Und man hat nicht zuletzt mehr Geld zur Verfügung.

Ist der Entschluss einmal gefasst, hören einige Raucherinnen und Raucher erfolgreich auf eigene Faust auf, ohne Hilfsmittel. Doch niemand muss den Ausstieg alleine schaffen. Es gibt zahlreiche Seminare und Rauchstopp-Programme. Das Deutsche Krebsforschungszentrum bietet gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Suche nach Anbietern in Ihrer Nähe.

Auch Selbsthilfegruppen und Internetportale wie zum Beispiel www.ohnerauchen.de oder www.rauchfrei-portal.de geben angehenden Nichtraucherinnen und Nichtrauchern die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten Kontakt aufzunehmen und sich auszutauschen.

Wer konkrete Tipps zur Vorbereitung und Durchführung des Rauchstopps sowie Informationen zu den verschiedenen unterstützenden Methoden braucht, findet bei der BZgA vielfältige Informationen, darunter auch ein online Ausstiegsprogramm.

Viele Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, nehmen erst einmal an Gewicht zu. Daran könnte es liegen, dass das Diabetes-Risiko nach dem Rauchstopp nicht direkt sinkt, je nach Studie sogar kurzfristig steigt und erst mit einer kurzen Verzögerung deutlich kleiner wird als zuvor. Dies ist wahrscheinlich vermeidbar, wenn das Gewicht zumindest ungefähr gehalten wird.

Auf Dauer senkt der Tabakverzicht auf jeden Fall das Diabetes-Risiko stark.

Gerade für Menschen, die bereits an Typ-2- oder Typ-1-Diabetes erkrankt sind, ist Rauchen ein großer Risikofaktor. Nikotin aus Zigaretten kann Folgeerkrankungen beschleunigen. Denn Nikotin setzt den Blutgefäßen und Nervenbahnen im Körper zu und verlangsamt die Wundheilung. So kann sich beispielsweise ein diabetischer Fuß schneller entwickeln als ohne Tabakzufuhr. Daher lohnt es sich, Hilfe zu suchen und mit dem Rauchen aufzuhören.

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Quellen:

Kulzer, B. et al.: S2-Leitlinie Psychosoziales und Diabetes –Langfassung. In: Diabetol Stoffwechs, 2013, 8: 198-242
Maddatu, J. et al.: Smoking and the Risk of Type 2 Diabetes. In: Transl Res, 2017, 184: 101-107
O’Dell, L. E. et al.: Enhanced vulnerability to tobacco use in persons with diabetes: A behavioral and neurobiological framework. In: Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry, 2016, 65: 288-296
U.S. Department of Health and Human Services: The Health Consequences of Smoking—50 Years of Progress: A Report of the Surgeon General. 2014 (Letzter Abruf: 03.07.2019)
Xia, N. et al.: Review of the role of cigarette smoking in diabetic foot. In: J Diabetes Investig, 2019, 10: 202-215
Stand: 09.11.2019