Alkohol – ein Diabetes-Risiko?

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Martin Füchtenbusch

Wie Bier und Wein sich auf das Diabetes-Risiko auswirken, hängt wahrscheinlich vor allem von der Dosis ab. Mäßiger Alkoholkonsum scheint laut ein paar Studien das Risiko für Typ-2-Diabetes sogar leicht zu senken.

Untersuchungen zeigen, dass das am ehesten auf das Trinken von Wein zutrifft, am wenigsten auf den Konsum von Spirituosen. Ob Alkohol in geringen Dosen tatsächlich ein wenig vor Diabetes schützt, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt; Studienergebnisse widersprechen sich zum Teil.

Klar ist aber: Starker Alkoholkonsum erhöht das Diabetes-Risiko deutlich. Dieser kann zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen, die sowohl eine Diabetes-Erkrankung als auch Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen kann. Zudem enthalten alkoholische Getränke viele Kalorien und können daher zu einer Gewichtszunahme beitragen, was wiederum das Diabetes-Risiko erhöhen kann.

Zu beachten ist auch, dass Alkohol das Risiko für andere Erkrankungen wie beispielsweise Leberzirrhose und verschiedene Krebsarten erhöht; eine absolut sichere Menge scheint es hier nicht zu geben.

Um das Risiko gering zu halten, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Frauen nicht mehr als 1 Standardglas pro Tag, für Männer unter 65 Jahre maximal das Doppelte, ab 65 Jahre ebenfalls nur eines. 1 Standardglas entspricht etwa 0,25 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein.

Allerdings dürfen diese Empfehlungen nicht als Aufforderung zum täglichen Konsum von Alkohol aufgefasst werden. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sollte auch bei einem risikoarmen Konsum an mindestens 2 Tagen pro Woche kein Alkohol verzehrt werden.

Was ist mit Alkohol, wenn man schon Diabetes hat?

Auch bei bestehendem Diabetes sollte man mit Alkohol sehr verantwortungsbewusst umgehen. Abgesehen davon, dass man im Rausch die eigenen Blutzuckerwerte nicht mehr so genau im Blick hat, senkt Alkohol auch den Blutzuckerspiegel. Zu Mahlzeiten getrunken wird diese Wirkung zwar relativ gut ausgeglichen, trinkt man ohne einen Snack Alkohol, besteht jedoch eine gewisse Gefahr für eine Unterzuckerung. Diese wird womöglich gerade durch den leichten Rausch erst spät wahrgenommen.

Angesichts dessen, dass verschiedene Studien über einen schützenden Effekt eines mäßigen Alkoholkonsums berichten, empfiehlt die S2-Leitlinie Psychosoziales und Diabetes der Deutschen Diabetes Gesellschaft: „Menschen mit Diabetes sollen darüber aufgeklärt werden, dass ein mäßiger, risikoarmer Alkoholgenuss mit einer guten Stoffwechseleinstellung und Diabetes-Prognose vereinbar ist.“

Risikoarmer Konsum bedeutet, sich an den zuvor genannten Empfehlungen der BZgA zu orientieren. Darüber hinaus sollte Alkohol nur zu den Mahlzeiten getrunken werden.

Quellen:

Aerzteblatt online: Diabetes: Die richtigen Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol. (Letzter Abruf: 03.07.2019)
Baliunas, D. O. et al.: Alcohol as a risk factor for type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis. In: Diabetes Care, 2009, 32: 2123-2132
Breuninger, T. A. et al.: Differential associations between diet and prediabetes or diabetes in the KORA FF4 study. In: J Nutr Sci, 2018, 7: e34
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.: Alkohol – Basisinformationen. 14. Auflage. 2017
Holst, C. et al.: Alcohol drinking patterns and risk of diabetes: a cohort study of 70,551 men and women from the general Danish population. In: Diabetologia, 2017, 60: 1941-1950
Knott, C. et al.: Alcohol Consumption and the Risk of Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Dose-Response Meta-analysis of More Than 1.9 Million Individuals From 38 Observational Studies. In: Diabetes Care, 2015, 38: 1804-1812
Kulzer, B. et al.: S2-Leitlinie Psychosoziales und Diabetes – Langfassung (Teil 1). In: Diabetologie, 2013, 8: 198-242
Stand: 09.03.2020