FAQs - Fragen und Antworten

Wissenschaftliche Unterstützung: Yanislava Karusheva, Kálmán Bódis, Prof. Dr. Andreas Fritsche, Andreas Vosseler M.A.

Gibt es einen Risikotest für Diabetes? Wel­che Sym­pto­me kön­nen auf Dia­be­tes hin­deu­ten? Und führt der Ver­zehr von zu viel Zu­cker oder zu vie­len Sü­ßig­kei­ten zu Dia­be­tes? FAQs (frequently asked questions) sind häufig gestellte Fragen.

Hier finden Sie eine Auswahl häufiger Fragen und Antworten, sortiert nach Themengebieten.

Diabetes vorbeugen

Ja, sowohl bei Typ-1-Diabetes als auch Typ-2-Diabetes existieren Vorstufen der Erkrankung. Werden sie erkannt, kann der Ausbruch der Erkrankung in einigen Fällen verzögert oder verhindert werden.

Typ-1-Diabetes geht mit der Bildung von Autoantikörpern einher. Diese zerstören körpereigene Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren. Solche Antikörper lassen sich meist schon Monate bis Jahre vor dem Erkrankungsausbruch im Blut feststellen. Sie erhöhen das Risiko für Typ-1-Diabetes.Die Forschung arbeitet intensiv daran herauszufinden, wie das Fortschreiten der Erkrankung bei bereits vorhandenen Antikörpern aufgehalten werden kann.

Noch bevor es zu Typ-2-Diabetes mit erhöhten Blutzuckerwerten kommt, kann eine Insulinresistenz vorliegen. Diese Vorstufe wird auch „Prädiabetes“ genannt. Die Blutzuckerwerte sind erhöht, jedoch noch nicht in der Weise, wie es für Typ-2-Diabetes typisch ist. Eine Lebensstiländerung – ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung – kann die Typ-2-Diabetes-Entwicklung aufhalten und in manchen Fällen sogar ganz verhindern.

Mit Hilfe des Diabetes-Risiko-Tests können Erwachsene ihr persönliches Risiko ermitteln, ob sie innerhalb der nächsten 5 Jahre an Typ-2-Diabetes erkranken. Mit der Durchführung des Tests erhält man Tipps, wie man sein Erkrankungsrisiko minimieren oder verhindern kann.

Erbanlagen bilden die Grundlage der Typ-1-Diabetes-Erkrankung. Aber nur etwa 10 Prozent aller neu diagnostizierten Menschen mit Typ-1-Diabetes sind familiär vorbelastet. Daneben spielen Umweltfaktoren eine wichtige Rolle.

Auch an der Entstehung von Typ-2-Diabetes sind Gene, die Träger der Erbinformation, wesentlich beteiligt. Ob es zur Erkrankung kommt, hängt aber von vielen weiteren Risikofaktoren ab. So erhöhen beispielsweise Übergewicht und Bewegungsmangel das Typ-2-Diabetes-Risiko deutlich.

Über­ge­wicht

Der gängige Richtwert für die Berechnung des Normalgewichtes ist der sogenannte Body-Mass-Index (BMI). Er errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm (kg), geteilt durch die Körpergröße in Meter (m) zum Quadrat.

BMI = (Gewicht in kg) / (Größe in m)²

Ein BMI zwischen 18,5 kg/m² und 25 kg/m² wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Ein Wert unter 18,5 kg/m² ist ein Indiz für Untergewicht. Zwischen 25 kg/m² und 30 kg/m² spricht man von Übergewicht, ab einem Wert oberhalb von 30 kg/m² von Adipositas.

Gemeint ist das gemeinsame Auftreten mehrerer Symptome oder Krankheitsbilder: Übergewicht (insbesondere im Bauchraum), erhöhter Blutzucker oder Diabetes, erhöhte Blutfettwerte sowie Bluthochdruck. Das metabolische Syndrom erhöht das Risiko für Arteriosklerose und andere Gefäßleiden, Diabetes und Herzerkrankungen. Mittlerweile kommt noch ein weiteres Krankheitsbild hinzu: die Fettleber.

All­ge­mei­nes zum Krank­heits­bild Dia­be­tes mel­li­tus

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Der Körper kann den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker (Glukose) nicht richtig verwerten. Die Folge sind dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte. Grundsätzlich wird vor allem zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes unterschieden. Es gibt aber auch seltenere andere Diabetes-Typen.

Um die verschiedenen Diabetes-Formen zu benennen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Man spricht von Diabetes (mellitus) Typ 1 oder Diabetes Typ 2. Daneben ist von Typ-1- oder Typ-2-Diabetes die Rede. Diese beiden Schreibweisen werden auf diabinfo.de verwendet. Zusätzlich kann es vorkommen, dass die Begriffe mit und ohne Bindestrich(e) geschrieben werden. 

Eine Veranlagung für Diabetes kann vererbt werden. Haben Eltern oder Verwandte einen Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, steigt die Wahrscheinlichkeit ebenfalls an Diabetes zu erkranken.

Eine familiäre Vorbelastung mit Typ-1-Diabetes ist somit mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. Allerdings haben 90 Prozent der Personen mit Typ-1-Diabetes keinen Betroffenen in der Verwandtschaft. Umwelteinflüsse, wie Nahrungsbestandteile oder Infektionen, spielen zusätzlich eine Rolle bei der Entstehung von Typ-1-Diabetes.

Besonders hoch ist das Vererbungsrisiko bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Insgesamt sind bislang weit über 100 Genorte bekannt, die mit Typ-2-Diabetes in Zusammenhang stehen. Auf den Genen liegt die Erbinformation. Eine einzelne Genveränderung muss noch keine Erkrankung bedeuten. Sind aber viele dieser Veränderungen vorhanden, kann dies zu einem erhöhten Diabetes-Risiko führen. Daneben begünstigen auch andere Faktoren die Diabetes-Entstehung: Beispielsweise Übergewicht und Bewegungsmangel, ungesunde Ernährungsgewohnheiten oder Rauchen.

Typ-1-Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die meist im Kindes- oder Jugendalter ausbricht. Aktuell haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch kein Heilmittel gegen Typ-1-Diabetes gefunden. Allerdings gibt es viele Studien, um neue Ansätze zur Vorbeugung und Therapie der Erkrankung zu entwickeln.

Bei Typ-2-Diabetes reichen oft schon relativ kleine Änderungen aus, um das Erkrankungsrisiko oder das Voranschreiten der Krankheit zu verringern. So kann der Einsatz von Medikamenten verzögert oder reduziert werden. 1. Ziel der Therapie ist es, die Blutzuckerwerte vor allem durch Lebensstiländerungen zu senken oder zu normalisieren. Im Vordergrund steht die Reduktion von Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) durch eine ausgewogene Ernährung und vermehrte körperliche Aktivität.

Diabetes darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Beide Diabetes-Formen, Typ-1 und Typ-2, sind behandel- aber nicht heilbar. Außerdem ist es wichtig, die Stoffwechselkrankheit rechtzeitig zu erkennen und optimal zu behandeln. Denn auch die Qualität der Blutzuckereinstellung bestimmt das Risiko für Folgeerkrankungen.

Unter den Folgeerkrankungen des Diabetes spielen die Gefäßkrankheiten eine zentrale Rolle. Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall können die Folgen sein, genau wie Nieren- oder Augenschäden und das Diabetische Fußsyndrom.

Oft tritt Typ-1-Diabetes in jüngeren Lebensjahren auf. Die Erkrankung beginnt meist plötzlich mit folgenden typischen Beschwerden und Symptomen:

Starkes Durstgefühl, verstärkter Harndrang, Gewichtsabnahme, Muskelschwäche, Müdigkeit, schlechte Wundheilung, trockene Haut, Sehstörungen.

Typ-2-Diabetes entwickelt sich eher schleichend. Manchmal fehlen Beschwerden zunächst ganz oder werden falsch interpretiert. Die Krankheit bleibt oft über Jahre unentdeckt. Häufig wird sie erst aufgrund von Folgeerkrankungen oder durch Zufall, zum Beispiel beim Gesundheits-Check, festgestellt. Anzeichen sind vor allem:

Antriebsarmut, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, depressive Verstimmungen, Müdigkeit, Juckreiz, trockene Haut, schlecht heilende Wunden, stärkeres Durstgefühl, verstärkter Harndrang.

Zucker oder Süßigkeiten allein führen nicht zu Diabetes. Ein übermäßiger Verzehr von Süßigkeiten und Zucker sowie von fettreichen Nahrungsmitteln oder zuckerhaltigen Getränken führt jedoch meist zu Übergewicht und Fettleibigkeit, was die Entwicklung von Typ-2-Diabetes begünstigt.

Weitere wesentliche Ursachen für Typ-2-Diabetes sind genetische Faktoren, Rauchen und Bewegungsmangel.

Die Ursachen des Typ-1-Diabetes sind bislang nicht eindeutig identifiziert. Umwelt- und genetische Faktoren beeinflussen das Risiko einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln.

Der Blutglukosewert oder Blutzuckerwert beschreibt die Konzentration von Zucker (Glukose) im Blut. Der Wert wird angegeben in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in Millimol pro Liter (mmol/l).

Die Bestimmung der Blutzuckerwerte ist ein entscheidendes Kriterium zur Diagnose der Diabetes-Erkrankung.

Bei Menschen ohne Diabetes, die mindestens 8 Stunden nichts gegessen haben, liegt der Nüchternblutzuckerwert unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l). Bei einem wiederholten Nüchternblutzuckerwert über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) liegt ein Diabetes mellitus vor.

Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 126 mg/dl (5,6-7,0 mmol/l) deuten auf einen gestörten Nüchternblutzucker (Prädiabetes) hin. Diese Personen haben ein erhöhtes Diabetes-Risiko.

Ob bei Ihnen ein Diabetes vorliegt, kann die Ärztin oder der Arzt mit Hilfe eines oralen Glukosetoleranztests (oGTT) oder der Messung Ihres Blutzucker-Langzeitwerts (HbA1c-Wert) bestimmen.

Wenn ein Diabetes besteht, legt die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten Blutzuckerzielwerte fest. Diese Zielwerte liegen höher als die oben beschriebenen „Normalwerte“ und sind individuell verschieden, je nach Therapie, Begleiterkrankungen und Lebensumständen.

Menschen mit der Diagnose Typ-2-Diabetes können ihre Erkrankung teilweise über eine gewisse Zeit ohne Diabetes-Medikamente behandeln. Hier sind eine gesündere Ernährung und regelmäßige Bewegung wichtig. Wenn sich der Blutzuckerwert nicht ausreichend senken lässt, kommen Medikamente zum Einsatz, die meistens dauerhaft eingenommen werden müssen.

Eine Reihe von Studien haben gezeigt, dass Menschen mit eingeschränkter Glukosetoleranz, eine Vorstufe der Erkrankung, ihr Diabetes-Risiko durch Lebensstiländerungen sogar effektiver senken können, als durch die Einnahme bestimmter Medikamente.

Schwan­ger­schafts­dia­be­tes

Als Schwangerschaftsdiabetes(Gestationsdiabetes)bezeichnet man eine Form des Diabetes, die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt und diagnostiziert wird.

Die Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Schwangerschaftsdiabetes sind Übergewicht beziehungsweise starkes Übergewicht (Fettleibigkeit oder Adipositas) und eine genetische Veranlagung.

Zudem begünstigen eine Reihe weiterer Faktoren das Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes:

  • Typ-2-Diabetes bei den Eltern und/oder Geschwistern
  • Schwangerschaftsdiabetes während einer früheren Schwangerschaft
  • Alter über 35 Jahre
  • Wiederholte Fehlgeburten
  • Geburtsgewicht früherer Kinder über 4.500 Gramm
  • Einnahme bestimmter Medikamente (Blutdrucksenker, Kortison)
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom
  • Rauchen
  • Asiatische Herkunft

 

Normalerweise verschwindet die Stoffwechselstörung nach der Geburt des Kindes wieder. Allerdings haben Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Mehr als 50 Prozent erkranken innerhalb von 8 bis 10 Jahren nach der Entbindung an Typ-2-Diabetes. Das betrifft vor allem Frauen, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten oder starkes Übergewicht haben.

Der Blutzuckerwert sollte nach einem Schwangerschaftsdiabetes weiterhin kontrolliert werden. Bei jährlichen Diabetes-Kontrolluntersuchungen bestimmt die Ärztin oder der Arzt die Nüchternblutzuckerwerte und den Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert). Studienergebnisse zeigen, dass Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, die ihr Kind stillen, ein um 40 Prozent verringertes Risiko haben an Typ-2-Diabetes zu erkranken.