Was er­höht das Ri­si­ko für Dia­be­tes Typ 1?

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Carolin Daniel

Typ-1-Diabetes ist wesentlich seltener als Typ-2-Diabetes. Wie er genau entsteht, ist selbst für Fachleute noch ein Rätsel. Die Erkrankung tritt meist im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter auf und hängt nicht mit einem ungesunden Lebensstil zusammen.

Während jede Person ihr persönliches Risiko für Typ-2-Diabetes durch gesunde Ernährung und Bewegung stark senken kann, ist dies bei Typ-1-Diabetes nicht der Fall. Bisher stehen vor allem bestimmte Gene und Infekte in Verdacht, Typ-1-Diabetes zu begünstigen.

Sicher ist, dass ein gewisses Risiko für die Erkrankung vererbt wird. So entwickeln rund 3 bis 8 Prozent der Kinder oder Geschwister von Menschen mit Typ-1-Diabetes im Laufe ihres Lebens selbst Typ-1-Diabetes. In der Allgemeinbevölkerung in Deutschland liegt das Risiko nur bei 0,4 Prozent. Gegenüber Menschen ohne familiäre Belastung ist das Risiko also etwa um das 15-fache erhöht.

Haben beide Eltern Typ-1-Diabetes, besteht für die Kinder ein Erkrankungsrisiko von etwa 25 Prozent. Das heißt, dass etwa jedes 4. Kind, das 2 Elternteile mit Typ-1-Diabetes hat, selbst daran erkrankt. Klar ist: Das eine Typ-1-Gen gibt es nicht. Viele verschiedene Gene sind an einer möglichen Entstehung beteiligt.

Wel­che Um­welt­fak­to­ren be­güns­ti­gen Dia­be­tes Typ 1?

Was es noch komplizierter macht: An den Genen alleine kann es nicht liegen, dass die einen erkranken und die anderen nicht. Eindrucksvoll zeigte dies etwa folgender Fall: In den baltischen Staaten wurde nach dem Öffnen des „Eisernen Vorhangs“ ein sprunghafter Anstieg der Erkrankungen verzeichnet. Dies lässt sich nur damit erklären, dass Faktoren in der Gesellschaft oder Umwelt einen deutlichen Einfluss haben, denn eine Änderung von Genen innerhalb einer Bevölkerung dauert sehr viel länger.

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Atemwegsinfekte das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen, beispielsweise eine Infektion mit Coxsackie-Viren. Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben auch ein etwas höheres Risiko für Typ-1-Diabetes.

Kann man mit der Er­näh­rung Dia­be­tes Typ 1 vor­beu­gen?

Die Ernährung zu Beginn des Lebens scheint auch eine Rolle zu spielen. Studien deuten darauf hin, dass Kinder, die – entgegen gängiger Ernährungsempfehlungen – bereits vor dem 3. Lebensmonat Getreide, insbesondere glutenhaltiges Getreide, zu essen bekamen, ein höheres Risiko für Typ-1-Diabetes haben. Gluten ist ein bestimmtes Getreide-Eiweiß, das in Backwaren oder Lebensmitteln aus Weizen, Dinkel, Hafer, Roggen, Gerste und weiteren Getreidesorten enthalten ist.

Bestimmte Inhaltsstoffe der Nahrung, wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D, schützen möglicherweise in gewissem Maß vor Diabetes. Erste Ergebnisse der TEDDY-Studie weisen darauf hin, dass die Gabe von Probiotika (lebende Mikroorganismen, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen wird) während des 1. Lebensmonats einen gewissen Schutzeffekt haben könnte bei Kindern mit erhöhtem genetischen Risiko. Die TEDDY-Studie hat zum Ziel, Faktoren in der Entwicklung von Kindern zu identifizieren, die zum Typ-1-Diabetes führen können. Dazu werden vielfältige Daten über Impfungen, Infektionen, geografische Unterschiede, Ernährungsgewohnheiten, psychosoziale Faktoren und andere Umwelteinflüsse gesammelt und untersucht.

Wichtig ist: All diese Hinweise aus Studien sind noch nicht wirklich abgesichert. Deshalb sollte man ohne Absprache mit der Diabetologin oder dem Diabetologen beziehungsweise der Kinderärztin oder dem Kinderarzt keine eigenständigen Ernährungs-Experimente durchführen.

Um den Risikofaktoren genauer auf die Spur zu kommen und zu testen, wie man das Risiko von Neugeborenen weiter senken kann, forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland an verschiedenen Standorten sehr intensiv.